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BILD dir einen neuen Markt

Vier Buchstaben als Garant für Erfolg: Das gilt für die BILD, Deutschlands auflagenstärkste Tageszeitung. Und das gilt ebenso für FAKT, ihren polnischen Zwilling. Axel Springer stieg 2003 mit dem Boulevard-Klon in den polnischen Zeitungsmarkt ein und macht den einheimischen Medien ordentlich Druck. Doch wie in Deutschland sammelt das Blatt neben Schlagzeilen auch emsig Kritik.

Zu Besuch bei Fakt

Manchmal braucht es Konkurrenz von außen, um einem lahmen Wettbewerb neues Leben einzuhauchen. Gut zu beobachten ist dieses Phänomen zurzeit auf dem polnischen Zeitungsmarkt: Seitdem Axel Springer, Deutschlands größter Zeitungsverlag, auch ins Ausland expandiert und dabei insbesondere den östlichen Raum zu seinem Zielgebiet erklärt hat, weht auf dem polnischen Medienmarkt ein anderer Wind - ein deutlich kälterer. Denn der deutsche Medienriese kam, sah und siegte: Mit einer polnischen Variante der deutschen "Bild-Zeitung". "Fakt" nennt sich das 2003 gestartete Blatt, das fast ausschließlich von polnischen Redakteuren erstellt wird. Unerwartet schnell entwickelte sich die täglich erscheinende Boulevardzeitung zu einem absoluten Glückstreffer des Springer-Konzerns und warf mit einer Auflage von mittlerweile rund 500.000 Exemplaren sogar das bisher führende polnische Boulevardblatt "Super Express" aus dem Rennen um die Marktführerschaft.

"Die ,Fakt' ist in vielerlei Hinsicht noch aggressiver als die deutsche ,Bild-Zeitung'. Vermutlich hat das zu ihrem großen Erfolg auf dem polnischen Markt geführt", erklärt Florian Fels, Vorstands-Chef von Axel Springer Polska. So gehören zum Beispiel inszenierte Provokationen zum Repertoire der "Fakt"-Redaktion: Etwa wenn Reporter verdeckt versuchen, prominente Persönlichkeiten zu bestechen. Diese Art der Berichterstattung mischt den polnischen Printmarkt deutlich auf und beeinflusst dadurch auch den inländischen Journalismus. Der direkte polnische Konkurrent "Super Express" berichtet laut Kennern der polnischen Medienbranche nun ebenfalls zunehmend aggressiver und setzt dabei in seinen Artikeln und Reportagen immer stärker auf die Macht von Bildern und Fotos.

Intellektuelle Essays und boulevardeske Aggressivität

Florian Fels

"Fakt" setzt aber, auch im Gegensatz zur deutschen "Bild", nicht ausschließlich auf boulevardeske Artikel, sondern integriert zudem lange Essays von prominenten polnischen Intellektuellen in ihr Konzept. Die ungewöhnliche Mischung trifft den Geschmack der polnischen Leser offenbar genau. Das Blatt hat sich die Stellung als auflagenstärkste Zeitung des Landes nicht einfach genommen, sondern erkämpft. Wichtigste Waffe gegen die polnische "Super Express": Der Preis von anfänglich nur einem Zloty. "Wir musste den Leuten ja zu Beginn etwas bieten, damit sie einen Blick in unser Blatt werfen", erklärt Fels die Kampffinanzierung. "Super Express" reagierte mit einer letztendlich erfolglosen Klage und schließlich ebenfalls mit einer Preissenkung.

Von anderen Medienmachern in Polen als "polnische Zentrale des deutschen Konzerns Axel Springer" diffamiert, macht "Fakt" tatsächlich eher mit tendenziell deutschkritischer Berichterstattung von sich reden. "Wir sind ein polnisches Blatt und vertreten polnische Interessen. Da ist unsere Position ganz klar", erklärt Fels. Auch detaillierte Absprachen oder gar inhaltliche Kooperationen mit der deutschen "Bild-Zeitung" gebe es nicht: "Über die Publikation und Aufmachung bestimmter Themen wird eigenständig entschieden, in Polen und in Deutschland jeweils nach nationaler Themenlage." Einzig auf technischer Ebene findet ein Austausch statt. So nutzt die "Bild-Zeitung" beispielsweise die Fähigkeiten der polnischen Infografiker.

Zwei Standbeine und den Fuß in der Tür

Fakt kennt seine Konkurrenz genau.

Trotz oder gerade wegen des durchschlagenden Erfolgs der "Fakt" setzt Axel Springer Polska seit drei Jahren auf ein zweites Standbein in Polen: die Tageszeitung "Dziennik". Als nachrichtliches Konkurrenzangebot sollte sie die Marktführerschaft der überregionalen, liberalen Tageszeitung "Gazeta Wyborcza" ins Wanken bringen. Mit gutem Erfolg: Auf Anhieb erkämpfte sich "Dziennik" den zweiten Platz im Tageszeitungsmarkt hinter "Gazeta". "Der Tageszeitungsmarkt ist ein schwieriges Segment. Mit der ,Gazeta Wyborcza' gab es bereits einen klaren Marktführer", so Florian Fels. Damit bleibt "Fakt" das Zugpferd des Springer-Konzerns, der mittlerweile nach eigenen Angaben über 44 Prozent des überregionalen polnischen Zeitungsmarktes verfügt.

Das große Engagement des deutschen Medienriesen löst bei polnischen Politikern nicht gerade Freudenstürme aus. So kritisierte der damalige Premier Jaroslaw Kaczynski vor rund zwei Jahren, dass "ein sehr großer Teil der polnischen Medien mittlerweile deutsch ist", und untersagte Springer kurz darauf den Einstieg ins polnische Fernsehgeschäft. Den Auslandsaktivitäten des Konzerns hat das allerdings keinen großen Abbruch getan: Nach wie vor gilt die "Expansion ins Ausland" als eines der wichtigsten Unternehmensziele und Polen als ein äußerst attraktives Gebiet: "Wir haben hier vor allem deshalb einen so großen Erfolg, weil die deutsche und die polnische Kultur sich so nah sind", sagt Florian Fels. Ein drittes Standbein neben "Fakt" und "Dziennik" dürfte damit wohl nicht ausgeschlossen sein.

Text: Stephanie Schnura
Bilder: Christoph Schmidt, Christina Müller
Teaserbild: chdxx / Flickr

Veröffentlicht: 15.08.2009
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