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Am Anfang war eine Zeichnung

Diese Ausgabe der FAZ durfte nicht erscheinen...

Pressefreiheit, Mohammed-Karikaturen, Islam, Religionenkampf, Dänemark, Krawalle, Brandstiftungen, Boykotts, arabische Länder, all diese Begriffe sind Teil eines Streits. Der Streit um die Mohammed-Karikaturen hat die Welt im Jahr 2006 auf den Kopf gestellt. Jetzt geht alles wieder los.

Kairo. Im Februar haben dänische Zeitungen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen erneut veröffentlicht. Und zwar aus Solidarität mit dem Karikaturisten Kurt Westergaard. Monatelang musste der 73-Jährige, der Mohammed mit einer Bombe mit brennender Zündschnur im Turban gezeichnet hatte, unter Polizeischutz leben. Nun hat die Polizei fünf Männer festgenommen und damit ein Mordkomplott vereitelt. Die abgedruckte Zeichnung hat erneut Zorn ausgelöst. Nicht nur in Dänemark.

Die Welt hat diese Mohammed-Karikatur am 13. Februar ebenfalls veröffentlicht. Einen Tag später publizierte auch die FAZ auf ihrer Titelseite ein Foto von dänischen Zeitungen, die die abgedruckten Karikaturen zeigten. Als Folge wurde in Ägypten der Verkauf der FAZ, der Welt sowie des britischen Observer und des US-amerikanischenWall Street Journal untersagt.

Hintergrund

Die Serie "Das Gesicht Mohammeds" besteht aus zwölf Karikaturen, die den islamischen Propheten Mohammed darstellen. Die dänische Zeitung Jyllands-Posten hat sie am 30. September 2005 veröffentlicht und die ägyptische Zeitung Al Fager am 17. Oktober 2005. Generell ist es in der muslimischen Welt untersagt, das Gesicht des Propheten abzubilden. Das gilt für viele Muslime als eine Herabwürdigung ihres Propheten. Der Abdruck der Karikaturen hat weltweit für Empörung und zahlreiche Ausschreitungen gesorgt. Dänische und norwegische Produkte wurden in arabischen Ländern boykottiert, Botschaften angezündet.

Der ägyptische Informationsminister Anas el Feki erklärte nach dem erneuten Erscheinen der Karikaturen, dass jede Publikation verboten werde, die etwas Beleidigendes über den Propheten Mohammed oder die drei monotheistischen Religionen beinhalte.

Dieses Verbot hat der Herausgeber der FAZ, Werner D'Inka, gegenüber Medien Monitor bestätigt. "Die FAZ durfte im September 2006 in Ägypten schon einmal nicht erscheinen, damals wegen eines Beitrags eines angesehenen Islamwissenschaftlers. Diesmal offenbar wegen des Fotos auf der Titelseite, das zeigte, wie dänische Zeitungen die Karikaturen abdruckten." Es komme vor allem in den Maghreb-Staaten - also in den nordafrikanischen Ländern Marokko, Tunesien und Algerien - immer wieder einmal vor, dass einzelne Ausgaben zurückgehalten werden.

Pressefreiheit ganz weit unten

Eine Frage der Berufsethik, meint Horst Pöttker.

"In einem Land, in dem es Pressefreiheit gibt, kann man diese Publikationen nicht verbieten. Das zeigt, dass in Ägypten die Pressefreiheit ganz weit unten steht", kommentiert Horst Pöttker, Journalistik-Professor an der Technischen Universität Dortmund, diesen Vorfall. "Es geht um eine berufsethische Abwägung. Auf der einen Seite steht die Pressefreiheit, auf der anderen sind es Menschen, die diese Veröffentlichung als verletzend empfinden können. Deshalb muss man sich fragen: Gibt es ein besonderes öffentliches Interesse und eine journalistische Berechtigung, Karikaturen zu veröffentlichen und damit Menschen in ihren religiösen Gefühlen zu verletzen?"

Und Menschen haben sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt gefühlt. Zahlreiche Brandstiftungen in Dänemark, initiiert vor allem durch Jugendliche aus muslimischen Einwanderfamilien, hielten die dänische Polizei in den vergangenen Wochen im Atem. Autos, Container, Schulen standen in Flammen. Reaktionen auf eine "Beleidigung"?

Eine schwierige Frage

Eine Frage der Gerichte, meint Werner D'Inka.

"Ob eine Beleidigung vorliegt, in diesem Fall oder in anderen Fällen, entscheiden unabhängige Gerichte, nicht der Informationsminister oder aufgehetzte Menschenmassen. Mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass beispielsweise die katholische Kirche Fahnen verbrennen oder Botschaften anzünden lässt, wenn der Papst als Sodomit dargestellt wird", sagte Werner D'Inka dem Medien Monitor.

Ob der Papst als Sodomit auf einem Bild zu sehen ist oder Mohammed mit einem Turban samt Zünder - das ist eine Frage der journalistischen Qualität. Und diese Frage ist sicherlich nicht ganz einfach zu beantworten. Vor allem dann, wenn am Anfang nur eine Zeichnung ist. Eine Zeichnung, die die Welt auf den Kopf stellt.

Text: Aleksandra Ilina; Fotos: Ilina, Papenberg, Huhn; Teaser-Foto: Ilina

Veröffentlicht: 28.02.2008
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