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Alle lieben Tila

Eine schwarze Frauensilhouette ziert die Website von Tila Tequila. Ihr Name steht in großen, pinkfarbenen Lettern daneben. "Ich bin das schlimmste Luder der Stadt" ("I’m the baddest bitch on the block"), liest der Besucher die Devise der 26-jährigen Bloggerin. Tila Tequila scheint stolz darauf zu sein, sie spielt gerne mit ihren weiblichen Reizen. Das altbewährte Rezept "Sex sells" funktioniert auch in der Blogosphäre. Denn niemand kann bei MySpace mehr "Friends" vorweisen als die junge Frau, die privat trotzdem solo bleibt.

Wird gerne mal als „Sexiest Woman Online“ bezeichnet: Tila Tequila.

Ein zierliches Mädchen – der Körper ist makellos, knappe Hotpants, das Oberteil besteht aus einem einzigen tiefen Ausschnitt – das Mädchen lacht, hüpft, wirft sich aufs dunkelrote Bett, räkelt sich, springt wieder auf, spreizt die Beine und lacht wieder. Sie nennt das "Booty Dancing", ihr tanzender Hintern hat einen Auftritt, die Web-Kamera nimmt die Nummer auf. Später wird die junge Frau das Video online stellen, so, dass sie nun wirklich jeder bewundern kann. Tila Tequila ist eine Online-Berühmtheit, die neuerdings mit Superlativen überhäuft wird. Ein Internet-Phänomen soll sie sein, "Madonna des MySpace" und "Sexiest Woman Online". Und auch wenn Tila Tequila immer noch nicht zu den ganz Großen gehört, ein Plätzchen auf dem Olymp der Prominenten hat sie sich bereits ergattert. Nun, was macht diese Frau, die das US-Nachrichten-Magazin "Time" sogar in seine Liste der wichtigsten Personen des Jahres 2006 aufgenommen hat?

Slums, Gangs, Strip-Clubs

Tila Nguyen wurde in Vietnam geboren, wuchs in den USA auf.

Tila Tequila singt ein bisschen ("I ain't trying to f*** ya man, everybody knows he’s my number one fan"), entwirft Mode (kurze Röckchen mit der Aufschrift "How hot is that?") und modelt für "Playboy" und "Maxim". Doch die Hauptbeschäftigung der 26-Jährigen ist das Bloggen, Tila Tequila ist die ungekrönte Königin des sozialen Netzwerks MySpace. Niemand hat mehr Freunde als sie, unglaubliche 1,9 Millionen zählen sich aktuell zu ihren Fans, 69 Millionen Mal wurde ihr Profil aufgerufen. Der Ruhm hat seinen Preis: Um das Wohlwollen der Online-Bekanntschaften und die Zahl der Klicks auf diesem hohen Niveau zu halten, investiert Tila Tequila nach ihren eigenen Worten bis zu 24 Stunden am Tag in ihr digitales Leben. Mittlerweile hat sie den Status einer Internet-Celebrity, sie ist so etwas wie eine Online-Projektion von Paris Hilton. Beide sind berühmt dafür, berühmt zu sein.

Die Geschichte der 26-Jährigen liest sich wie das Märchen von Aschenputtel. Tila Tequila, die eigentlich Nguyen mit Nachnamen heißt, wurde in Vietnam geboren und immigrierte im Alter von einem Jahr mit ihren Eltern in die USA. Von einer schweren Kindheit und turbulenten Jugendzeit ist häufig die Rede; von den Slums in Houston, in denen sie aufwuchs; von diversen Schulen, aus denen sie flog; von den Gangs, in denen sie sich mit 17 versuchte, und von Strip-Clubs, in denen sie ihr Geld verdiente. Auch Drogenerfahrungen und ein Gefängnisaufenthalt werden in der Presse oft erwähnt. Ein Eintrag bei Wikipedia (nach den Regeln des Web 2.0 ein Gradmesser für die Berühmtheit einer Person) poliert die Legende etwas auf und erzählt von einem Buddhistentempel, in dem das künftige Sternchen angeblich unter ärmlichen Verhältnissen aufwuchs.

"Das Internet hat mein Leben verändert"

Tequila modelt auch gern für Magazine.

Gefängnis oder Gebete: Man darf glauben, was man will. Versuche, die echte Lebensgeschichte von Tila Tequila von ihr persönlich zu erfahren, gestalten sich manchmal als sehr schwierig. So blieben die Anfragen für diesen Beitrag an Tila und ihr vierköpfiges Management-Team unbeachtet, und man kann nur ahnen, warum der Kontakt nicht zustande gekommen ist. Vermutlich haben Männer-Magazine, deren Cover Tila Tequila mit ihrem Körper so gerne schmückt, mehr Chancen, ein Interview zu bekommen.

Noch mehr Tila Tequila gibt es auf ihrer Website gegen Bares.

Auch auf der Internet-Seite von Tila Tequila bleiben dem Besucher die Informationen über den Lebenslauf des Sternchens verborgen. Die gibt es nur gegen Bares, die Mitgliedschaft kostet monatlich 9,99 Dollar. Gerne erzählt Tila Tequila in der Presse davon, dass sie "das populärste Mädchen auf dem Schulhof" war, bekannt für ihre "verbalen Aktivitäten". Damals, in der Schule, sei es "immer um Respekt" gegangen, und vielleicht hat sie sich schon damals nach Anerkennung und Aufmerksamkeit gesehnt. Diesen Traum sollte ihr später das globale Netzwerk erfüllen. Aufgewachsen ist Tila Tequila ohne Computer. "Mein Freund hatte einen", erinnert sie sich in einem Fernsehinterview. "Er hat mir das Internet gezeigt und gesagt, ich soll’s auch probieren." Die Wirkung übertraf ihre Erwartungen. "Das fand ich cool, das hat mein Leben verändert."

"Ich wollte Aufmerksamkeit von jedem"

Offenherzig - in den Medien wie auch privat.

Ungefähr zu dieser Zeit beschließt Tila Tequila, dass sie nicht mehr wie bisher weiter leben, sondern berühmt werden will. Ihre Motivation: "Ich wollte Aufmerksamkeit von jedem", sagt sie offenherzig. "Ich hatte ein raues Leben und wollte all die negativen Dinge, die ich erlebt habe, in etwas Positives umwandeln." Die Welt sollte sie dabei begleiten, sollte erfahren, dass es sie, Tila Tequila, gibt. Jeder sollte hinschauen, die junge Frau beachten und bewundern. Schließlich, sagt sie, habe sie etwas zu erzählen. Zum Beispiel das: "Hahahahaha! Shut up you know you love it! I just got home just now and was bored so I decided to make yet another one of my infamous "TILA HOME VIDEO BOOTY DANCING" or whatever.....LOL....". In einem anderen Eintrag erzählt Tila Tequila von einem "der besten Tage überhaupt" in ihrem Leben, an welchem sie sich ein Haus in den Hollywood Hills gegönnt hat und die Idee hatte, dort eine Stripper-Stange zu installieren, um "dicke, fette Partys" zu schmeißen und mit Freundinnen um die Wette zu strippen.

Die Einträge werden von ihren "Friends" reichlich kommentiert, manche mehr als 4000 Mal. Das World Wide Web hat Tila Tequila nicht enttäuscht, es erwies sich als ideale Bühne für ihre Träume. Dabei begann ihre Karriere als Cyber-Queen recht unspektakulär. 2003 wurde sie von MySpace-Gründer Tom Anderson persönlich auf dessen soziales Netzwerk eingeladen. Damals war die Plattform noch nicht so gut bevölkert, "Ich kam mir vor wie auf der falschen Party", sagt Tila Tequila. Doch sie hatte ihre Kartei von mittlerweile 30.000 E-Mail-Kontakten mitgebracht und ein Wochenende lang Masseneinladungen rausgeschickt. Das Ergebnis der Aktion ließ nicht lange auf sich warten, kurz darauf waren Tila und MySpace eine kleine Sensation.

"Es ist wie eine eigene Stadt", sagt die Bloggerin, "wie das Leben". Bei der digitalen Kontaktpflege helfen ihr eine Assistentin, vier Manager und eine Software namens "Friend approver". Schließlich muss die riesige Fan-Gemeinde kontrolliert und verwaltet werden. Sie alle lieben Tila, und bei den meisten hat wohl das altbewährte Rezept namens "Sex sells" funktioniert. Erstaunlicherweise ist die Frau mit Millionen Freunden im echten Leben solo. In einem Interview sagte sie, ihr Lebensstil schrecke Männer ab.

Text: Jenia Wagner; Fotos: pnutjewelry.com, Penthouse, BlackMen, MySpace, tilahotspot.com

Veröffentlicht: 26.07.2007
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